Hirschfreunde

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Heute ist Hubertustag. Der Legende nach entsagte Hubertus der Jagd, nachdem sich ihm ein Hirsch entgegenstellte und fragte: „Hubertus, warum verfolgst du mich?“

Die Jäger in Baden-Württemberg müssten dem Hirsch heute antworten: „Weil du dich in einem rotwildfreien Gebiet befindest!“ Denn überschreitet ein Hirsch im "Ländle" die ihm zugewiesenen Grenzen muss er per Gesetz getötet werden. Liebe Hirschfreunde: Schluss damit!

Der Rothirsch ist bekannt als der König der Wälder. Eigentlich hat er sich aber nur zu seinem Schutz in die Wälder zurückgezogen. Der ausgewachsene Rothirsch ist mit einer Schulterhöhe von bis zu 150 Zentimetern und einem Gewicht von maximal 250 Kilogramm das größte heimische Wildtier. Der Begriff Rothirsch leitet sich vom rotbraunen Sommerfell ab. Im Winter ist es graubraun. Das Sozialverhalten des Rotwildes ist hoch entwickelt. Die Tiere leben die meiste Zeit des Jahres in Rudeln, die Größe der einzelnen Rudel ist abhängig vom Lebensraum und der Wilddichte. In Regionen mit einem hohen Anteil an Freiflächen oder sogar völlig offenen Landschaften sind die Rudel in der Regel größer als in reinen Waldbiotopen. Auch in Europa kommen Rotwildrudel vor, die 200 Tiere umfassen.

Mehr Lebensraum für den Hirsch
in Baden-Württemberg!

Der Rothirsch darf in Baden-Württemberg nur in fünf gesetzlich festgelegten Rotwildbezirken existieren. Sie umfassen etwa 4 % der Landesfläche. Kein anderes Bundesland gibt dem Hirsch so wenig Platz zum Leben. 

 

ÖKOLOGISCHE ROLLE

Aus Sicht der Ökologie sind das Schälen von Baumrinde und der Verbiss von jungen Bäumen Fraßeinwirkung des Wildes auf seine Umwelt. Indem Rotwild die Triebe junger Bäume immer wieder verbeißt, entstehen mitunter kleine Biotope, die die Artenvielfalt im Wald erhöhen können. Denn so werden offene Bereiche in Wäldern frei gehalten und damit lichtliebende Pflanzenarten gefördert. Durch Verbiss buschig und dicht wachsende Bäume bieten außerdem ideale Nistplätze für manche Vogelarten.
Große Wildtiere wie Rothirsche transportieren verschiedenste Pflanzensamen in ihrem Fell, über Kot sowie an ihren Hufen. Pflanzensamen können zum Beispiel bei einer Wanderung zu den Brunftplätzen über 100 km weit befördert werden.
Durch das Suhlen und Aufwühlen von feuchtem Boden entstehen neue Lebensräume für Wasserinsekten oder Laichplätze für Libellenarten. Selbst das ausfallende Winterfell des Schalenwildes findet seine Abnehmer – viele Vogelarten nutzen es für den Nestbau. Abgeworfene Geweihstangen sind durch ihren hohen Kalzium- und Phosphorgehalt vor allem bei zahlreichen Nagetieren beliebt. Und auch der Tod hat seine Funktion: Die Kadaver von verendetem Wild dienen vielen Tierarten als Nahrung.

Mit einem geschätzten Bestand von mindestens 200.000 Stück ist der Bestand des Rotwildes in Deutschland gesichert. Doch nur in ganz wenigen Gebieten kann Rotwild seinen natürlichen Verhaltensweisen nachgehen und der Mensch hat den Rothirsch aus großen Teilen seines Lebensraumes ausgesperrt.


INTENSIVIERUNG DER FORSTWIRTSCHAFT

Fast alle Wälder in Deutschland werden intensiv für die Holzproduktion genutzt. Für den wirtschaftenden Forstbetrieb ist das Rotwild ein Schädling, denn die Tiere äsen (= fressen) die Knospen der nachwachsenden Baumgenerationen und verlangsamen deren Wachstum. Oder sie schälen, vor allem im Winter, die Rinde der Bäume. An solchen Schälstellen dringen Pilze in den Baumstamm, dessen wirtschaftlicher Wert dadurch stark verliert. Eine Besonderheit des Rothirsches ist, dass er gerne in großen Rudeln lebt. Und selbst wenn die Populationsdichte in einem großen Gebiet insgesamt eher gering ist, kann ein Rudel Rotwild lokal bereits in kurzer Zeit einen bedeutenden Einfluss auf die Waldvegetation nehmen.
Nicht zuletzt, um die wirtschaftlichen Schäden im Wald zu reduzieren, werden in Deutschland jährlich rund 70.000 Stück Rotwild erlegt. Ganz nebenbei wird ohne Massentierhaltung oder Tiertransport die natürliche Ressource „Wildbret“ erzeugt. Allerdings trägt die Art und Weise der Jagd an vielen Stellen zu einer Verschärfung der Konflikte mit der Land- und Forstwirtschaft bei: Wird das Rotwild permanent durch die Anwesenheit des Jägers im Revier beunruhigt, ziehen sich die Tiere in immer dichtere Waldbereiche zurück und hier müssen sie ihren Hunger notgedrungen mit Baumrinde stillen.


POLITISCHES ENGAGEMENT

Natürliche Verhaltensweisen auszuüben, ist in Ruhesituationen zweifellos Ausdruck des Wohlbefindens von Wildtieren. Auch wenn es der Zweck des Tierschutzgesetzes ist, das Wohlbefinden von Tieren zu schützen, bleiben natürliche Verhaltensweisen der Wildtiere in der Gesetzgebung jedoch weitestgehend unerwähnt. Umso wichtiger ist es, dass die Jagdpraxis ihren Beitrag dazu leistet, Wildtieren ein natürliches Verhalten zu ermöglichen. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert unter anderem, dass

  • innerhalb der Einstandsgebiete Wildruhezonen eingerichtet werden, um den natürlichen Tagesrhythmus zu fördern,
  • die Jagdzeit um die Wintermonate verkürzt werden muss, um die winterliche Stoffwechselruhe zu fördern und
  • die Nahrungsbedingungen für große Wiederkäuer in der Kulturlandschaft verbessert werden müssen.



Text und Bilder: Quelle Deutsche Wildtier Stiftung


Film: 
Der Rothirsch


Feedback and Questions

„Wir, die Deutsche Wildtier Stiftung, fördern und schützen mit einer Vielzahl von Projekten Wildtiere und ihre Lebensräume in Deutschland. Wir möchten Menschen für die Schönheit und Einzigartigkeit der heimischen Wildtiere begeistern und der Naturentfremdung – vor allem bei Kindern und Jugendlichen – entgegenwirken. Wir geben Natur und Wildtieren in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine Stimme.“

Deutsche Wildtier Stiftung

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Nadja Schleghuber

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